Mitarbeiter Engagement in der Praxis: Im Gespräch mit AXA Winterthur

By January 14, 2014Blog

Was machen Unternehmen, damit ihre Mitarbeitenden engagiert sind? Inspire 925 hat verschiedene Executives zum Thema befragt; die Antworten werden exklusiv auf hrtoday.ch publiziert und drei Tage später auf unserem Unternehmensblog. 

 

ChristophMueller

Die AXA Winterthur ist der führende Versicherer in der Schweiz. Sie beschäftigt über 4000 Mitarbeitende, zu denen auch Christoph Müller gehört. Er leitet die HR-Abteilung der Firma und gibt uns in einem Interview einen Einblick in die Erfolgsgeschichte, die hinter den Kulissen des wunderschönen Altbaugebäudes in Winterthur stattfand.

Im Jahre 1997 wurde die Winterthur Versicherung Teil der Credit Suisse. Nach der Integration in das grosse Allfinanz-Unternehmen sei die Winterthur Versicherung nicht mehr als eigenständiges Unternehmen wahrgenommen worden, so Müller. Im Jahre 2007 wurde sie dann von der erfolgreichen AXA Versicherung übernommen. Die Kulturen dieser beiden Unternehmen passten sehr gut zueinander. Seit der Übernahme konnte die AXA Winterthur in den vergangenen Jahren grosse wirtschaftliche Erfolge auf dem hart umkämpften Schweizer Versicherungsmarkt verzeichnen. Ihr Schlüssel zum Erfolg? «Neben einer klaren Strategie und den engagierten Mitarbeitenden ist die Blaue Kultur ein wesentlicher Erfolgsfaktor», so Christoph Müller.

Doch was verstehen Christoph Müller und seine Mitarbeitenden unter diesem Schlüsselbegriff der «Blauen Kultur»? «Darunter verstehen wir einen kooperativen Führungsstil, der Mitarbeitende einbezieht. Weg von der Macht, hin zur breiten Befragung», erläutert Müller. Den Mitarbeitenden wird in der Kultur der AXA viel Eigenverantwortung zugeschrieben und sie werden in die Entscheidungsprozesse der Firma einbezogen. Müller ergänzt: «Die Kommunikation ist ein wichtiger Teil der Blauen Kultur, wir nehmen Anregungen der Mitarbeiter ernst und betrachten sie als wichtiges Feedback». Die sogenannte «Blaue Kultur» beruht auf authentischer Kommunikation, Vertrauen und Integrität – sie ist das Gegenteil des klassischen «command and control»- Führungssystems.

h Müller, Mitglieder der Geschäftsleitung und Leiter Human Resources bei AXA Winterthur. (Bild: zVg)Der Weg zur Blauen Kultur war einer der Kernprozesse, welche die Winterthur wieder auf die Erfolgsspur brachten, wenn auch dieser Weg nicht immer einfach zu beschreiten war: Bei den ersten Workshops, die den kulturellen Wandel anstossen sollten, sprachen sich nicht alle Länder der AXA-Gruppe für diese Veränderung aus; das Projekt der Blauen Kultur war nicht überall erfolgreich. Der schweizerische Teil der Versicherung verfolgte die Strategie, die Blaue Kultur in der Firma zu integrieren und führte erhebliche Veränderungen durch. Zunächst wurde die Geschäftsleitung kooperativer gestaltet, wodurch GL-Entscheide öfters auf demokratischer Basis diskutiert und gefällt werden. «Das machte bereits einen riesigen Unterschied», betont Müller.

Die Mitarbeiter werden aktiv aufgefordert, sich mit dem Thema der Unternehmenskultur auseinanderzusetzen – sei es an Diskussionsveranstaltungen, auf Intranet-Blogs oder in Workshops. Für die Führungskräfte wurden Kurse durchgeführt, um ihnen die Grundsätze der neuen «Blauen Kultur» näher zu bringen und sie bei der Umsetzung zu unterstützen. «Was ganz wichtig ist», fügt Müller hinzu, «bei der Stellenbesetzung wird überprüft, ob die Kandidaten zu unserer Kultur passen».

Auch das Führungs-Coaching ist laut Christoph Müller ebenfalls ein sehr wichtiges Element, da die Etablierung der neuen Kultur nur über einen klassischen Top-Down-Prozess funktioniert, in der die Führungskräfte die neue Unternehmenskultur vorleben. Um die verschiedenen Führungsstile zu veranschaulichen wurden sogar externe Schauspieler angeworben. Die Workshops und Coachings wurden von den meisten Mitarbeitern äusserst positiv aufgenommen. Nicht alle Mitarbeiter konnten sich jedoch mit dem Kulturwandel identifizieren, vereinzelte gaben ihren Job auf. Die Firma bemühte sich aber, die Mitarbeiter zu halten und schaffte es durch intensive Einzelgespräche, die meisten Mitarbeiter vom Kulturwandel zu überzeugen.

Auch wenn der Prozess hin zur Blauen Kultur noch nicht ganz abgeschlossen ist, die Innovation, die Risikofreude und das Durchhaltevermögen der AXA Winterthur hat sich mittlerweile ausgezahlt. Mithilfe eines Assessments wird das Mitarbeiterengagement im Vergleich mit internationalen Firmen regelmässig untersucht. Liegt das Mitarbeiterengagement international durchschnittlich bei einem Wert von 76 Punkten, so stieg das Engagement bei der AXA Winterthur in kurzer Zeit von 73 auf 83 Punkte. «Wir haben einzelne Bereiche, die weisen sogar noch höhere Werte auf. Wir sind stolz auf so engagierte Mitarbeiter», sagt Müller.

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